Aaaah, so close…

Amazing, fascinating, thrilling, nerve wracking, one of the gerat escapes – nennt es wie ihr wollt. Wie gebannt wurde ich am fünften Tag des Test zwischen NZ und England an meinen Platz gefesselt und durfte eines der spannendsten Matches der letzten Zeit verfolgen. Am Ende war ich körperlich und vor allem mental erschöpft und musste doch etwas enttäuscht das Stadion verlassen. Dabei war die Test-Series zwischen den Black Caps und England gerade unentschieden ausgegangen, doch waren die Kiwis nur hauchdünn an einem sensationellen Sieg vorbeigeschrammt.

Nach dem ersten Tag war ich mir eigentlich sicher, dass dieses Match in einem weiteren ‚draw‘ enden würde. Denn der ‚pitch‘ im ‚Garden of Eden‘ gab nicht viel her und unterstützte die englischen ‚Bowler‘ nur wenig, so dass NZ ohne große Probleme 250 Runs anhäufen konnte und dabei nur ein ‚wicket‘ verlor. Wenn die Black Caps so ohne Probleme Runs einsammeln konnten, so könnten dass die wesentlich stärker einzuschätzenden englischen ‚batsman‘ auch, so dachte ich.

Doch weit gefehlt. Unerwarteter Weise wandelte sich das Tempo am zweiten Tag des Spiels. Das erste Inning der Kiwis endete mit einer Gesamtpunktzahl von 443 Runs, hauptsächlich konstruiert um eine brillantes ‚century‘ von Peter Fulton, der nach vier Jahren ein Comeback im Nationalteam feierte und dessen 136 Runs das erste ‚century‘ überhaupt in seiner Black Caps-Karriere bedeuteten.

Mit 443 Runs im Rückstand, war nun England an der Reihe Punkte zu sammeln. Doch die Poms Six Wickets for Trent Boulttaten sich auf einmal erstaunlich schwer, was vor allem daran lag, dass die neuseeländischen ‚Swing-Bowler‘ Trent Boult und Tim Southee den roten Cricket-Ball zu schwingen brachten. Das bedeutet, dass der Ball sich während des Wurfs in der Luft seitlich bewegt und somit die Flugbahn des Balls leicht einer Banana gleicht. Dies erschwert das Schlagen des Balls um einiges.

England, so schien es, kam damit überhaupt nicht zurecht und verlor alle ihre zehn ‚wickets‘ für gerade mal 204 Runs nach der Hälfte des dritten Tages. Dies verschaffte den Black Caps natürlich eine überragende Ausgangsposition, da sie nun nach den ersten Innings mit 239 Runs führten.
Die Poms wissen nicht wie ihnen geschieht...
Mit diesem Vorteil im Rücken durften die Kiwis nun erneut Punkte sammeln um ihren Vorsprung weiter auszubauen. Aber auf einmal schlugen die Engländer zurück. Schlag auf Schlag verloren die Black Caps ihre ersten drei ‚wickets‘ und hatten dabei gerade mal acht weitere Runs erzielt. Die Poms sahen nun eine Chance zurück ins Spiel zu kommen. Doch diese wurde am Morgen des vierten Tages zunichte gemacht. Der formstarke Kapitän Brendon McCullum und wiedermal Peter Fulton sammelten schnell Runs, so dass der Vorsprung der Double centurys for Peter FultonKiwis auf uneinholbare 480 Runs anwuchs. Fulton erzielte dabei mit 110 Runs sein zweites ‚century‘ im Match, eine Leistung die zuvor mit Glenn Turner, Geoff Howarth und Andrew Jones (1991) – alle Legend des neuseeländischen Cricket-Sports – nur drei Neuseeländern vor ihm gelang. Also wirklich eine bemerkenswerte Leistung von ‚Two-Meter Peter‘, wie Fulton aufgrund seiner Körpergröße auch genannt wird.

Aber zurück zum Spiel: England lag zur Hälfte des vierten Tages also mit 480 Runs zurück und musste nun – aufgrund der verbleibenden Spielzeit – 143 over oder 858 geworfene Bälle bzw. gut neun Stunden überleben, ohne ihre zehn ‚wickets‘ zu verlieren, um wenigstens mit einem ‚draw‘ davon zu kommen, da es mehr als unwahrscheinlich war, dass sie in der verbleibenden Zeit 481 Runs erzielten und somit das Spiel noch gewinnen würden.

Und am Ende des vierten Tages sah alles so aus, als würden die Black Caps einen historischen Sieg einfahren. England hatte bereits vier ‚wickets‘ verloren und somit verblieben nur sechs ‚wickets‘ für den letzten Tag. Eine Ausgangsposition aus der noch nie ein Team einen ‚draw‘ erspielen konnte.

Nach vier Tagen spannenden Test-Cricket stand nun also ein aufregender fünfter Tag an. Etwas, was man sich immer von einem Test-Match wünscht, da tief bis in den fünften Tag gespielt wird. Und was für ein fünfter Tag es werden sollte: England und vor allem Ian Bell starteten solide und die Kiwis konnten sich wenig Chancen erspielen. Der unaufregende ‚pitcht‘, der wenig für die Neuseeländer hergab unterstützte die poms natürlich dabei. Doch kurz vor und nach der ersten Unterbrechung schlugen die Kiwis doch zweimal zu und das Match schwang wieder in eine andere Richtung. Mittlerweile war jeder Wurf zu einem echten Ereignis geworden. Jede ‚delivery‘ konnte die Black Caps dem Sieg näherbringen und dementsprechend gebannt verfolgten die Zuschauer auch das Spiel. Faszinierendes Test-Cricket.
Aggressive Kiwis1   Aggressive Kiwis2

Für die nächsten zwei Stunden verteidigten die Poms aber wieder sicher, bis kurz vor ‚Tea‘ die Kiwis wieder zu schlugen. Es ebbte hin und her. Englands letzte Hoffnung Matt Prior verteidigte weiter gut, doch mittlerweile erspielten sich Neuseeland Chance um Chance, die aber nicht genutzt wurden. Es fehlte aber auch das Glück – in einer Situation traf der Ball sogar die zu verteidigen Stäbe des ‚batsman‘, doch die zwei ‚bails‘ die oben auf dem ‚wicket‘ liegen wollten einfach nicht runterfallen. Unglaublich…
So Close
Kurz vor Ende sah es dann so aus, also hätten sich die Poms doch noch einen ‚draw‘ erspielt. NZ blieb aber weiter aggressiv, versuchte weiter alles und es gab einen letzten ‚twist in the tail‘. Nach einem Doppelschlag waren die Black Caps auf einmal nur noch ein ‚wicket‘ von einem unglaublichen Sieg entfernt. 22 Würfe standen noch aus, was für eine Chance für die Kiwis. Doch die Poms verteidigten was das Zeug hielt und nach fünf Tagen und 30 Stunden Spielzeit konnte der letzte Wurf des Spiels das Match noch entscheiden. Doch der überragende Matt Prior verteidigte auch die letzte ‚delivery‘ von Trent Boult und England ‚got out of jail‘. Und so sicherten sich die Poms einen glücklichen ‚draw‚.

Enttäuschte KiwisDie Frustration auf Seiten der Neuseeländer war natürlich groß, doch haben sie die zweitbeste Mannschaft der Welt in zwei von drei Tests gewaltig unter Druck setzten und sich aussichtsreiche Situationen erspielt. Vor der Test-Series hatte wohl kaum jemand damit gerechnet und daher ist insgesamt ein 0:0 in der Test-Serie ein starkes Ergebnis für die Black Caps.

Für mich war es auf meiner Cricket-Tour ein unglaubliches, letztes Cricket-Match und ein gelungener Abschluss. Denn spannender und faszinierender geht es kaum noch, nur fehlte das letzte Tüpfelchen auf dem i, aber so ist Cricket…

Goodbye Cricket

P.S.: Wie ich gerade rausgefunden habe, steht am Sonntag das Final der neuseeländischen One-Day Cricket Meisterschaft in Auckland an. Also ist die Tour noch nicht ganz am Ende. One to go…

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