Eine Liebesgeschichte

Berge besteigen! Wie ein roter Pfaden zieht sich diese Aktivität durch meine Reise und ich weiß nicht mal warum. Ist es vielleicht, weil die Aussicht von oben so schön ist? Ein bisschen Bewegung mir mal ganz gut tut? Oder, weil es meistens kein Geld kostet? Wieso auch immer, Sapa in Vietnam, Sigiriya und Adam’s Peak in Sri Lanka, Sani Pass, Tablemountain und Lionshead in Südafrika und nun Mt. Ngauruhoe und Key Summit in New Zealand, sprechen eine deutliche Sprache. Doch die größte Herausforderung behielt ich mir für den Schluss auf und der zweit höchste Berg der Nordinsel brachte mich wirklich an meine Grenze. Mt Taranaki – eine echte Mission.

Wie jede gute Geschichte, beginnt auch die Geschichte des Taranakis mit einer Liebesgeschichte. So berichten die Maori, dass Mt Taranaki als junger, gut aussehender Berg, einst im zentralen Hochplateau der Nordinsel neben den Bergen Tongario, Ruapehu und Ngauruhoe stand. Er verliebte sich unsterblich in den schönen Mt Pihanga und stritt mit Mt Tongario vehement um ihr Herz. Nach einem besonders harten Kampf, den Tongario im Endeffekt gewann, wurde Taranaki nach Westen verstoßen und machte sich auf einen einsamen Weg zu seinem jetzigen Standort. Die Spur von Tränen, die er über seine verlorene Liebe vergossen, formten dabei den Whanganui River und wenn man den Berg von Wolken verdeckt sieht, sagt man bis heute, dass er nur seine Tränen versteckt, die er für die schöne Phianga vergießt.

Doch verstecken muss sich der – hinter dem Ruapehu – mit 2518m zweithöchste Berg der Nordinsel nun wirklich nicht. Von allen Seiten umgeben von flachen Farmland, erhebt sich der Mt TaranakiTaranaki erhaben, ja geradezu majestätisch aus seiner ebenen Umgebung. Zu dieser mystischen Einsamkeit kommt ein perfekt geformter Vulkan-Kegel. Alles in Allem ein mehr als beeindruckendes Gesamtbild. Einheimische Wissenschaftler sprechen immer wieder davon, dass der Vulkan eigentlich mal wieder ‚reif‘ für einen Ausbruch ist, doch seit der letzten Eruption 1755 ist der Taranaki ruhig geblieben.

Auf meinem Weg zurück nach Auckland legte ich nun einen Stop ein um dieses majestätische Ungetüm zu erklimmen. Dabei ist der Vulkan nicht zu unterschätzen, da sich das Wetter innerhalb von Minuten dramatisch verändern kann, was bereits an die 100 Menschen das Rain, rain go away...Leben kostete. Auch bei meiner Ankunft am Mt Egmont – wie der Berg auch genannt wird – spielte das Wetter nicht mit: Es regnete in Strömen und auch die Temperatur war nicht gerade angenehm. Da es aber laut Wetterbericht am nächsten Tag warm und klar sein sollte, verbarrikadierte ich mich in meinem Auto. Warten war erstmal angesagt, um am nächsten Morgen um 6:30 Uhr zur neunstündigen Tour aufzubrechen.

Drei Stunden lag ich wach, bevor der Wecker um 6 Uhr klingelte. Das Auto hatte sich mittlerweile zu der reinsten Tiefkühltruhe verwandelt und ich war mehr als froh endlich aufzubrechen und meine eingefrorenen Glieder zu bewegen. Der Sonnenaufgang war noch gut eine Stunde entfernt und es pfiff ein eisiger Wind, aber der Himmel war klar.

Nun muss ich zugeben, dass mein Rucksack nicht unbedingt viel Equipment für polar Expeditionen bzw. extreme Bergbesteigungen – immerhin übte Edmond Hillary an diesem Berg Sonnenaufgang am Taranakifür seine Everest-Besteigung –  hergibt, ganz zu schweigen von meinem doch eher mäßigen Schuhwerk. Von daher hatte ich doch ziemlich Respekt vor dem Aufstieg und war mir nicht ganz sicher, ob ich es bis ganz oben schaffen würde. Doch die ersten 90 Minuten verliefen relativ gut. Erst durch dichten Wald dann über große Steine ging es mehr oder wenig einfach dem Gipfel entgegen. Zwar schwebten noch einige Wolken um den Berg, doch die Sonne versuchte konstant durchzubrechen. Nur der eisige Winde wollte irgendwie nicht verschwinden.

Nach einer Schlucht begann dann ein kleine Holztreppe, die eine einzigartige Moosart schützen soll. Die Stufen der Treppen waren zum Teil mit Eis bedeckt und mit jeder Stufe wurde es mehr Eis, bis am Ende der Treppe ein größtenteils mit Schnee bedeckter Berg vor mit lag. Klar, unten hatte es den ganzen vorherigen Tag geregnet und auf dem Berg natürlich geschneit. Und da stand ich nun in meinen Halbschuhen, aber irgendwie noch nicht bereit aufzugeben. Also machte ich mich auf den Weg weiter nach oben. Es ging zwar mühselig vorwärts, aber ich hatte das Gefühl es ging einfacher als über das Vulkan-Geröll, das unter dem Schnee lag, da der firme Schnee mir mehr Halt bot, als auf dem Geröll rumzurutschen. Außerdem entwickelten sich die Schuhe zu reinen ‚Alleskönnern‘ – immerhin keine nassen Socken, auch wenn das Profil der Schuhe besser sein könnte.
Das Eis beginnt   Spuren im Schnee

Nach insgesamt drei Stunden stetigen Aufstieg – das Gipfelfieber hatte mich schon lange im Griff – erreichte ich den Lizard, eine Lava-Zunge, die direkt in den Krater des Vulkans führt. Diese Etappe verlangte mir nun alles ab, zwar ist die Distanz über den Lizard zum Krater nicht besonders weit, aber auf allen Vieren über schneebedecktes Geröll und vereiste Steine ging es nur sehr langsam vorwärts, so das ich erst eineinhalb Stunden später ziemlich erschöpft den Krater erreichte, von dem mich ein zehnminütiger weiterer Aufstieg zum Gipfel des Taranaki brachte.
Der Lizard1   Der Lizard2

Oben angekommen entschädigte der schneebedeckte Vulkangipfel und die 360°-Aussicht über die flache Landschaft bis hin zum Meer für alle Anstrengungen. Sogar die ‚Souther Alps‘, die Berge der Südinsel, waren vom 2518m hohen Gipfel zu sehen. Der reinste Wahnsinn. Genauso wie das wohl verdiente Gipfel-Picknick.
Gipfelfieber2   On Top

Doch der reinste Wahnsinn war auch der Abstieg – nur im negativen Sinne. Die Sonne hatte mittlerweile fast allen Schnee verschwinden lassen und so ging es über Massen von undankbaren Gröll und Gestein wieder hinunter. Meine Knie machten einen gummiähnlichen Eindruck und schnell fühlte ich mich bestätigt, dass der Schnee beim Aufstieg ein Glücksfall war.
Wie in Norwegen gelernt, hatte ich natürlich meine Tafel Schokolade dabei, die mich über jegliche Unkonzentriertheiten hinweghelfen sollte, doch schnell war auch die verschwunden.

So quälte ich mich nach unten, bis zu einer kleinen Hütte ca eine Stunden vor dem Ende des Abstiegs. Dort traf ich auf zwei ältere Herren aus… Bayern! Ich muss wohl ziemlich heruntergekommen ausgesehen haben, denn nach einem netten Gespräch, teilten die beiden brüderlich ihre Brotzeit – klar machen Bayern auch in NZ Brotzeit –  bestehend aus Schinken und Baguett mit mir. Und ehrlich gesagt, war das wohl das beste Schinkenbaguett was ich je zu mir genommen hab!

Dennoch versüßte es mir nicht die letzte Stunde des Abstiegs. Heruntergehen ist wirklich eine nervige Angelegenheit und mit diesem Gedanken fiel ich nach gut neun Stunden ziemlich erschöpft in mein Auto.

Mount Taranaki hatte ich bezwungen, aber irgendwie hatte der Berg auch mich bezwungen. Bei diesem majestätischen Berg ein fairer Gedanke glaube ich…
Gipfelfieber
P.S.: Ach so ja, Cricket wurde letzte Woche natürlich auch gespielt, doch wieder mal hatte der Regen das letzte Wort. Die Hälfte des vierten und der komplette fünfte Tag waren so verregnet, dass kein Cricket möglich war. Am meisten dürfte dies die Poms geärgert haben, da sie in einer aussichtsreichen Position waren um das Match zu gewinnen. So gab es aber einen weiteren ‚draw‘ und es kommt zu einem ’series-decider‘ in Auckland. Winner takes it all in Auckland….

Der majestätische Mt. Taranaki

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2 Gedanken zu „Eine Liebesgeschichte

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