Rain in Little Britain

Naja, ehrlich gesagt ist ‚Little Britain‘ fast schon eine Untertreibung. Dunedin ist zwar eine wunderbar schottisch angehauchte Stadt und soll im Zuge dessen sehr an Glasgow oder Edinburgh erinnern, aber während des ersten Test zwischen NZ und England war ganz Dunedin fest in britischer Hand! Wirklich ganz Dunedin?!? Nein, ein kleines Cricket-Oval wehrte sich standhaft…

Obwohl auch das nicht so ganz stimmt, denn auch im University Oval waren die Barmy Army und die restlichen britischen Supporter klar in der Überzahl. Nur auf dem Feld zeigte sich, wer hier wirklich zu Hause ist. Denn die Black Caps – man glaubt es kaum – setzten England und damit die Nummer Zwei der Test-Weltrangliste (!) über alle vier Tage gehörig unter Druck.

Rain in DunedinDer aufmerksame Leser dürfte jetzt stutzig geworden sein und sich fragen: ‚Vier Tage? Dauert ein Test-Match nicht fünf Tage?‘ Das stimmt natürlich aber aufgrund von Schauern und unglaublich kalten Südost-Wind, der direkt aus der Antarktis auf NZ trifft und häufig Regen mit sich bringt, war es am ersten Tag des Matches nicht möglich geregelt Cricket zu spielen. Cricket-Tage, die wegen schlechten Wetter ausfallen, können auch nicht einfach am Ende des Spiels drangehängt oder nachgeholt werden. Man versucht zwar durch einen früheren Start an den anderen Tagen wieder etwas Zeit gut zu machen, aber trotzdem ist ein Regentag ein verlorener Tag beim Cricket.
Für die Pub-Besitzer in Dunedin dürfte der verregnete Tag allerdings der Feiertag des Jahres gewesen sein, denn so strömte halb England nicht erst um 18Uhr, sondern schon gegen 11:30Uhr in die freudig warteten Pubs im Zentrum von Dunedin.

Man muss schon sagen, die Poms sind wirklich ein lustiges Völkchen, mit dem man sehr schnell in überaus netten Kontakt kommen kann, was aber natürlich auch daran liegen könnte, dass ein deutscher Black Caps-Supporter und Cricket-Liebhaber keine so gängige Erscheinung im Weltbild der Engländer ist. Wie auch immer… festzuhalten bleibt, dass keine andere Cricket-Nation so zahlreiche Unterstützer aufweisen kann, die ihrem Team über die ganze Welt folgen. Gerade die Barmy-Army mit ihrem Trompeter Billy ‚The Trumpet‘ Cooper und Frontman Hon Vic Flowers aka ‚Jimmy Savile‘ sorgen dabei für eine super und mit viel Ironie gespickte Stimmung während des Crickets. Doch im Gegensatz zu anderen Sportarten bleibt die Beziehung zu den einheimischen Fans dabei überaus harmonisch, ein großer Pluspunkt der Cricket-Gemeinschaft, von dem sich andere Sportarten ruhig mal eine Scheibe abschneiden könnten.
Hon Vic Flowers aka Jimmy Savile  ...in action

Doch zurück zum Spiel: Wie schon oben erwähnt waren die Poms aufgrund eines völlig verkorksten zweiten Tages, der wegen des Regens im Endeffekt der erste wirkliche Spieltag war, über die ganze Spielzeit mehr oder weniger unter Druck. Die Kiwis spielten dabei gut und brachten sich in eine Position, aus der eigentlich nur noch sie das Spiel gewinnen hätten könnten. Doch am vierten und Alistair Cook verteidigte alles, was auf ihn zu kamfünften Tag zeigte England, dass sie nicht ohne Grund Nummer zwei des Test-Rankings sind. Angeführt von einem wieder mal grundsoliden und stark spielenden Kapitän Alistair Cook, verloren die Poms in den letzten zwei Tage und damit in fast zwölf Stunden Spielzeit nur sechs Wickets und sicherten sich damit ein am Ende wohl verdientes Unentschieden. Die Black Caps dürften frustriert sein, dass sie es nicht schafften in zwei Tage die zehn Wickets der Engländer einzusammeln und damit das Spiel zu gewinnen und gleichzeitig kann man darüber streiten, ob die Kiwis das Spiel nicht gewonnen hätten, wäre das Match nicht durch den Regen verkürzt wurden. Doch ist ein ‚draw‘ gegen die Poms erstmal ein gutes Ergebnis, auf dem die Black Caps im nächsten Test in Wellington sicherlich aufbauen können. Ehrlich gesagt befürchte Ich aber, dass die Engländer im Basin Reserve in Wellington wesentlich stärker auftreten werden und es den Black Caps mehr als schwer machen werden, wieder in eine Position zu kommen, aus der ein neuseeländischer Sieg möglich wäre. Doch hoffen wir mal, dass ich in ein paar Tagen in Wellington eines besseren belehrt werde…

an schönen Tagen sieht das University Oval so aus!
P.S.: Als kleinen Nachtrag kann ich mir einen Seitenhieb auf die Krise im australischen Sport nicht verkneifen. Seit Jahrzehnten gucken die Kiwis ein wenig neidisch über den Tasman und zu den sportlichen Erfolgen der stolzen australischen Sportkultur, doch was sich da im Moment abspielt, kommt mehr oder weniger einem gewaltigen Zusammenbruch gleich: Die olympischen Schwimmer saufen in London grandios ab und geben später zu ein, als teambildende Maßnahme ein, zwei Tage vor den Wettkämpfen irgendeinen Cocktail aus Alkohol und Beruhigungspillen zu nehmen; die heimische Rugby Leauge Liga wird nicht nur von einem Dopingskandal erschüttert, sondern verschobene Ligaspiele und depressive Spieler, die sich als Alkoholiker outen und Gewalt gegenüber Frauen ausüben kommen noch dazu; und zu guter Letzt verliert das australische Cricket-Team zur Zeit in India jedes Spiel sang- und klanglos und dazu werden noch vier der besten Spieler nach Hause geschickt, weil sie verschlafen, das Teamprotokoll verletzen und eine Hausaufgabe, die darin bestand drei Punkte aufzuschreiben, die die Leistungen des Teams verbessern können, nicht machen bzw. nicht abgeben. Doch kratzt das wohl nur an der Oberfläche, es sieht so aus, als zieht sich dort ein tiefer Riss durch das gesamte Cricket-Team. Alles im Allem liegt da einiges im Argen im australischen Sport, worüber in den neuseeländischen Medien natürlich mit Freude berichtet wird. Aber Vorsicht: Diese stolze Sportnation tendiert dazu aus Problemen solcher Art schnell erstarkt wiederzukehren, doch sehe ich beim Cricket für die kommenden Ashes-Series im Sommer in England eher schwarz für Michael Clarke und seine Männer. Umso schöner wäre es, wenn die Black Caps nun gegen die starken Engländer einen Achtungserfolg landen könnten…

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