It’s All Happening

Ein einbeiniger Cricket-Spieler in Hamilton, auf zwei Beinen 18km über Vulkan-Geröll und ein Picknick in Napier. Nach einem entspannten Familien-Urlaub waren die letzten Tage relativ ereignisreich. Hier ein kleiner Überblick – enjoy the ride!

Two Toes und ein Bein
Mit 14 Jahren verlor Martin Guptill bei einem Unfall drei Zehen an einem Fuß. Daher trägt er in der Cricket-Szene auch den überragenden Spitznamen ‚Marty Two-Toes‘. Beim ersten ODI zwischen NZ und England in Hamilton kam nun auch noch eine weitere Verletzung hinzu, dennoch war er am Ende der gefeierte Held. ‚Marty Two-Toes‘ sicherte den Black Caps nämlich den ersten Sieg in der ODI-Series auf einem Bein.

Nach einer entspannten Zeit auf der bezaubernden Coromandel-Landzunge, auf der ich erst drei Tage mit meinen ehemaligen ‚Gast-Großeltern‘ und dann zwei Tage mit meiner ehemaligen ‚Gastfamilie‘ verbrachte, machte ich mich am Sonntag morgen auf nach Hamilton zum ersten von Seddon Park in Hamiltondrei Spielen in der NZ – England ODI-Serie. Die erste Hälfte des Spiels am Nachmittag war eigentlich relativ ereignisarm, doch ohne viel Aufsehen zu erregen erspielten die Poms 258 Runs. Im relativ kleinen Seddon Park in Hamilton kein überragendes, aber doch solides Ergebnis. Um das Spiel zu gewinnen brauchten die Black Caps also ein gute Vorstellung, doch der Start misslang und zu allem Überfluss zerrte sich Martin Guptill beim Versuch eines Runs auch noch den Oberschenkel.
Nun ist es so, dass wenn sich ein Spieler beim Cricket verletzt und nicht weiterspielen kann, heißt das nicht automatisch, dass er auch sein wicket verliert. Der offizielle Begriff für einen Spieler der verletzt ausscheidet ist ‚retired hurt‘ und da er sozusagen noch nicht rausgeflogen ist, besteht auch die Möglichkeit, dass er ins Spiel zurückkehrt.

So auch bei ‚Marty Two-Toes‘: Die Kiwis waren am Ende kräftig unter Druck geraten und es sah so aus als würden die Poms das Spiel nach Hause schaukeln. Doch nachdem die Black Caps ihren siebten ‚batsman‘ verloren hatten, humpelte auf einmal Guptill zurück aufs Feld. Die ca. 7000 Zuschauer waren natürlich aus dem Häuschen und begrüßten ihn mit ’standing-ovations‘.
Marty Two-Toes humpelt zum SiegGuptill konnte zwar nicht mehr ordentlich laufen, doch das brauchte er auch nicht, denn er schlug den Ball auf einmal so klar, so dass die meisten seiner Schläge vier oder sechs Punkte einbrachten. Und zusammen mit Kapitän Brendon McCullum, der sich in geradezu brillanter Form präsentierte, führte der einbeinige Guptill NZ zu einem unerwarteten Sieg. Ohne Frage war ‚Marty Two-Toes‘ am Ende aufgrund seines ‚fighting spirits‘ der Held des Abends.

Selbe Strecke, halber Weg
Das nett an meiner Tour ist nun, dass während die beiden Teams zum nächsten Spielort reisen und fleißig fürs nächste Match trainieren, habe ich Zeit mir das Land anzugucken und z.B. …wild auf Vulkane zu klettern.

Aus Hamilton reiste ich also nach Süden um nach einen kleinen Stopp im Pirongia National Forest den Tongario National Park anzusteuern. Dort wollte ich die berühmte, berüchtigte Tongario Crossing laufen, ein 18km langer Weg der zwischen zwei Vulkanen durch ein wahre Wüste führt. Diese Wanderung gehört zu den schönsten und beeindruckendsten Eintages-Tracks in NZ. Doch leider ist aufgrund eines Vulkanausbruches im August die Tongario Crossing im Moment keine ‚Crossing‘ sondern ein ‚Return-Track‘, d.h. auf halben Weg geht es nicht weiter und man muss zurück zum Startpunkt.

Das hielt mich allerdings nicht zurück trotzdem durch diese surreale Mondlandschaft zu wandern und da ich ja nicht die komplette Durchquerung laufen konnte, entschloss ich noch einen kurzen – so dachte ich auf jeden Fall – Abstecher auf den 2291m hohen Mt. Ngauruhoe einzuschieben. Doch entpuppte sich der Aufstieg über Massen von Vulkan-Geröll als ziemlich schweißtreibend. Oben angekommen wartete irgendwie passend ein Gruppe junger Engländern mit der Aufschrift ‚Pain is weakness leaving the body‘ auf ihren T-Shirts… Aber natürlich erwartete mich auch ein sagenhafter Ausblick über die erstaunlich farbenfrohe Vulkanwüste.
Ausblick - Tongario National Park1   Ausblick - Tongario National Park2

‚Slipping & sliding‘ mit gewohnt sicherer Skitechnik ging es über die Massen von Geröll wieder nach unten – doch diesmal in weniger als der halben Zeit. Dennoch blieb wenig Zeit um noch zum Ende des Tracks zu kommen, doch im strammen Marsch schaffte ich es noch bis zum ‚South Crater‘ um eine Blick auf die tiefblauen Vulkanseen zu erhaschen. Danach ging es dann im noch strammeren Marsch den ganzen Weg zurück zum Parkplatz und Ausgangspunkt des Tranks. Und siehe da, trotzdem 15-minütiger Verspätung war mein Shuttle noch da. Erschöpft und glücklich wurde ich also zurück zu meiner Unterkunft chauffiert. Brillant!

Picknick im McLean Park
Vom Tongario National Park ging es für mich weiter zum McLean Park in Napier. Nur ist der McLean Park keine gewöhnliche Grünanlage wie wir sie aus Deutschland kennen, sondern das nette Rugby und Cricket-Stadion Napiers. Schnell verbreitete sich auf den ‚grass-banks‘ bei traumhaften Sonnenschein aber eine herrliche Parkatmosphere. Einige betätigten sich mit einem Ball ein wenig Picknickstimmung in Napiersportlich, andere picknickten auf der grünen Wiese, wieder andere genossen einfach nur die Sonne oder das kühle Bier und manche waren halt da um das Cricket-Spiel zu verfolgen. Was für eine entspannte Atmosphäre, die immer mal wieder von passenden Bob Marley- oder Beatles-Sounds untermalt wurde – allgemein muss man festhalten das die neuseeländischen Stadionbetreiben einen überaus guten Musikgeschmack haben.

Alles im Allem also ein wunderbarer Nachmittag und ich könnte jetzt schreiben ‚Genau so hab ich mir das vorgestellt!‘, wenn da nicht das Ergebnis des Spiels im Wege stehen würde…

Ex-Kapitän und Kapitän unter sichNZ startete mal wieder schwach ins Spiel und nur aufgrund eines starken ‚Comeback-Century‘ vom geschassten Ex-Kapitän Ross Taylor und einer Feuerwerk-Performance (74 of 36 Balls) vom neuen Kapitän Brendon McCullum, erreichten die Kiwis überhaupt erst 269 Runs. Am Ende war dies aber in diesem Stadion, in dem 300 Runs und mehr erst ein gutes Ergebnis sind, viel zu wenig um England irgendwie zu gefährden. Die Poms sicherten sich den Sieg souverän und gleich somit die Serie mit 1:1 aus. Aber was solls, ich hatte trotzdem meinen Spaß im Gras des McLean Parks.

Und ein Spiel steht ja noch aus… Am Samstag erwartet mich nun in Auckland im dritten und letzten Spiel der ODI-Series also ein richtiger ‚Series-Decider‘. Der Sieger dieses Spiels gewinnt auch die ganze ODI-Serie. Für Spannung ist also gesorgt. Hoffen wir auf ein besseres Ende eines entspannten Nachmittags im Eden Park von Auckland…

   Ein Nachmittag in Napier1  Ein Nachmittag in Napier2  Ein Nachmittag in Napier3

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