Grand ‚Gänsehaut‘ Slam

Ja, was soll ich sagen!?! Ich habe mal wieder einen kleinen Sportartenwechsel eingestreut und habe mich von Cape Town nach Melbourne abgeseilt um die Australian Open zu besuchen. Über Umwege ging dabei ein Traum in Erfüllung: Roger Federer live bei einem Grand Slam zu sehen – Gänsehaut pur!

Cape Town – Jo’burg, Jo’burg – Doha, Doha – Kuala Lumpur, Kuala Lumpur – Perth, Perth – Melbourne, Taschen bei einer Freundin abladen, Wasser ins Gesicht spritzen und auf zur Rod Laver Arena im Melbourne Park. So liest sich meine Reiseroute von Cape Town zu den Australian Open in Melbourne. Und das alles nur um eine gelbe Filzkugel über ein Netz fliegen zu sehen!? Ja, nur dafür!

Rod Laver und ich...Ich hatte von vornherein ein Ticket für das erste Halbfinale und hoffte lange, dass ich dort Federer spielen sehen würde. Nach der Auslosung war aber klar, dass dies nicht so sein würde. Naja, trotzdem war die Vorfreude auf Djokovic gegen Ferrer groß, da Djokovic einer der ganz Großen der Tour ist und Ferrer ein starkes Turnier gespielt hatte. So hoffte ich, dass der Spanier dem Djoker einiges abverlangen und es ein spannendes, enges Match werden würde.
Aber weit gefehlt! Im schnell Durchlauf (1 1/2 Stunden) zerstörte Djokovic Ferrer mit 6:2, 6:2, 6:1. Ich meine, es war beeindruckend Djokovic mit seiner überragenden Vorhand in Bestform zu sehen, aber doch war es sehr enttäuschend, dass das Match nicht viel hergab. Zu keiner Zeit wurde der Serbe wirklich gefordert und es wurde schnell deutlich, dass Ferrer doch etwas von den Top Vier entfernt ist. Er hatte einfach kein Rezept um Punkte zu erspielen und war auch nicht in der Lage – ganz im Gegenteil zu Federer, aber dazu später mehr – sein Spiel zu ändern, um Djokovic vor andere Probleme zu stellen. So gern ich Ferrers kämpferische Spielweise mag, er konnte diese am Donnerstag nicht abrufen und zeigt eine mehr als enttäuschende Leistung gegen einen wohlgemerkt überragend aufspielenden Djokovic!

Es war natürlich trotzdem ein beeindruckendes Erlebnis live während einer ’night-session‘ ein Grand Slam Halbfinale in der Rod Laver Arena zu verfolgen, aber dennoch muss ich zugeben nach dem Spiel etwas enttäuscht gewesen zu sein. Dies wurde auch nur ein wenig durch das ‚Legenden-Doppel‘, das auf das Halbfinale folgte, gelindert. Pat Cash und Goran Ivanišević  spielten dabei gegen Guy Forget und Henri Leconte und boten ein gute, lustige Show. Dennoch war für mich klar, irgendwie musste ich, jetzt wo ich schon mal da war, an eine Karte für das nächste Halbfinale kommen, um meine Enttäuschung durch eine Federer-Show zu lindern.
Der Djoker nach einer ganz starken Partie  Vier Legenden: Cash, Ivanisevic, Forget und Leconte (v.l.)

Ich wusste zwar, dass das Spiel seit Wochen ausverkauft war, aber man sagte mir, dass es möglich sei, dass Sponsoren und andere Ticket-Inhaber ihre Tickets vor dem Spiel noch zurückgeben würden. Ich dachte zwar: ‚Ja klar, wer gibt den bitte Tickets für so ein Spiel aus der Hand??‘, aber klapperte doch ab morgens die Ticket-Boxen ab und fragte immer wieder, ob Tickets zurückgekommen seien. Natürlich hatte ich keinen Erfolg und beschloss noch etwas vor dem Stadion rumzulungern. Auch da hatte ich natürlich keinen Erfolg, aber immerhin verteilte ein Sponsor nicht weit entfernt Würstchen für umsonst – ein wahres Schnäppchen! Naja, um kurz nach drei entschloss ich dann meine Jagd aufzugeben, mir ein ‚ground-ticket‘ für den Finaltag zu holen (dieses erlaubt am Finaltag die Anlage zu betreten und dort das Spiel auf einer Leinwand zu sehen), dann noch eine Wurst abzustauben und zurück nach Hause zu dackeln. Wie es dann so kommt, stand in der Schlange vor mir eine Frau, die ein Ticket für ihre kranke Freundin zurückbringen wollte. Ich dachte ich werde nicht mehr! Ich sagte ihr: ‚I would take it as well!!‘ Sie nur: ‚No Problem, give me the normal price.‘ Und Zack hatte ich etwas in der Hand, wonach ich sechs Stunden lechzend gesucht hatte. Ich war ehrlich gesagt geschockt, hatte wirklich eine Gänsehaut und konnte es nicht fassen, dass ich Federer live sehen würde…

Das Spiel erfüllte dann auch alle Erwartungen! Das Publikum war schon gut in Stimmung, da vor dem Match ein Mixed-Halbfinale und das Damendoppel-Final jeweils mit australischer Beteiligung ausgetragen wurden. Doch als die beiden Spieler dann das Stadion betraten, kochte die Rod Laver Arena gerade zu. Murray dominierte den ersten Satz und Federer war noch nicht so richtig im Spiel, machte zu viele Fehler und fand kein richtiges Mittel um Murray zu gefährden. Doch im zweiten Satz konnte man beobachten, wie Federer – und das ist der Gegensatz zu Ferrer – durch sein ganzes Repertoire ging, um Murray vor andere Probleme zu stellen. Er setzte den Slice wesentlich mehr ein und probierte offensiver zu agieren. Es gelang ihm zwar nicht immer, aber dennoch hatte ich schon lange gesehen, was ich sehen wollte: Federer bewegte sich mit einer nahezu tänzerischen Eleganz über den Platz und auch seine Schläge waren geprägt von einer enorm eleganten, feinen Technik. Ähnlich wie beim Cricket sind es doch immer wieder die ästhetische, zielführenden Bewegungen, die mich am meisten ansprechen.
Wer hat den schöneren Aufschlag? Federer  Wer hat den schöneren Aufschlag? Murray

Das Spiel entwickelte sich – ganz zu meinem Geschmack – zu einem echten Thriller. Nach etwas mehr als drei Stunden war es aber so gut wie vorbei. So dachte ich jedenfalls. Murray servierte beim Stand von 6:5 im vierten Satz zu Matchgewinn, aber Federer kam noch mal zurück. Mit unglaublichen Tennis rettete er sich in den Tie-Break. Die Rod Laver Arena war nicht mehr zu halten, es war mittlerweile kurz nach zwölf Uhr nachts, aber keiner war gegangen und nach dem Gewinn des Tie-Breaks ging das Match in einen fünften Satz.

Nach vier Stunden - Murray gewinnt in Fünf!Früher wäre Murray an solchen Situationen zerbrochen, aber diesmal zeigte der Schotte, wieso er mittlerweile zurecht zu den ‚Großen Vier‘ des Tennis gehört. Souverän meisterte er die engen Situationen im fünften Satz und gewann das Spiel am Ende nach vier Stunden (!) wirklich verdient, da er über die ganze Spielzeit doch der konstantere, bessere Spieler war. Es ist schon erstaunlich wie sehr Murray sich entwickelt hat, ich dachte lange, dass es nicht für ganz oben für ihn reichen würde, aber der US-Open Sieg letztes Jahr und vor allem der Olympia-Sieg in Wimbledon haben ihn anscheinend eine gehörige Portion Selbstvertrauen eingehaucht. Er wirkt gefestigter, glaubt mehr an sich und lässt sich nicht so leicht aus der Bahn bringen. Dass er ein sehr starker Tennisspieler ist, das wusste man schon, aber gepaart mit dieses Charaktereigenschaften, kann er auf Dauer vielleicht zu Djokovic aufschließen.

Und ich!?! Ihr müsst denken, dass ich jetzt wieder enttäuscht das Stadion verließ, da Federer nicht gewonnen hatte. Aber weit gefehlt, ich war einfach nur überglücklich dieses grandiose Match live gesehen zu haben. Und auch wenn diese Reise mir mittlerweile viele besondere und unvergessliche Erlebnisse beschert hat, war dies ein ganz, ganz spezieller Abend für mich…

Aber es hört nicht auf… Wie ich heute erfahren hab, ist während meiner Zeit in Melbourne noch ein Cricket Länderspiel zwischen Sri Lanka und Australien im Melbourne Cricket Ground, einem der legendärsten und bedeutesten Cricket-Stadien weltweit mit einem Fassungsvermögen von 100 000 Zuschauern. Mal sehen, ob ich morgen Tickets ergattern kann. Ihr werdet hören, wie es gelaufen ist….

Night Session in Rod Laver. Was will man mehr!?!

Night Session in Rod Laver. Was will man mehr!?!

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