Von Blinkern, Scheibenwischern und dem Ende der Welt…

In Sri Lanka gibt es eigentlich keinen Ort, an dem man komplett alleine ist. In Südafrika, bin ich zum Teil stundenlang Auto gefahren, nur um einer Handvoll von Autos zu begegnen. Mehr als eine kleine Umstellung war nötig. Hier Eindrücke eines ‚roadtrips‘ von Port Elizabeth nach Durban.

Umstellungen spielten eigentlich die ganze Woche ein Rolle. Das ging los beim Besteigen des Mietwagens. Mir war klar, dass in Südafrika links gefahren wird, aber na klar öffnete ich erstmal die Beifahrertür beim Versuch zum Lenkrad zu kommen. Beim erstmal Blinken ging dann die Scheibenwischer wie wild los und beim ersten Abbiegen landete ich dann doch im Gegenverkehr. Gut, dass abends in Port Elizabeth (PE) so gut wie nichts auf den Straßen los ist. Eine dreiviertel Stunde und zwei Ehrenrunden durch PE später – immer auf der Suche nach meinem Hostel – hatte sich aber alles gelegt und Auto, Fahrer und die Straßen verstanden sich bestens. Immer wieder erstaunlich wie gut ‚learning by doing‘ funktioniert!

Drei von den ‚big five‘
Addo Elephant National Park1Am zweiten Tag präsentierte sich Südafrika dann gleich von seiner beeindruckenden, animalischen Seite. Von PE machte ich mich auf dem Weg zum Addo Elephant National Park. Ein ‚wildlife reserve‘, das auf über 140km Schotterpiste mit dem eigenen Auto befahren werden kann. Keinen Kilometer hinter dem Eingang zum Park traf ich auch sofort zwei Elefanten, die am morgen auf dem Weg zu einem Wasserloch waren. 500m weiter grasten ein paar Zebras, bevor dann ein Strauß über die Straße lief. Ich war ehrlich gesagt mehr als perplex, fast geschockt. Im Park hatte ich mit diesen Tieren gar nicht gerechnet hatte, sondern war nur auf Elefanten vorbereitet.
Addo Elephant National Park2     Addo Elephant National Park3

Addo Elephant National Park4Naja, eine halbe Stunde und ca. zehn Vogelstrauß später – meine Güte laufen da viel rum – überraschte mich das nicht mehr und es war eher wie: ‚Ah, noch ein Strauß!‘ Trotzdem gab es weiter unzählige Tier zu bestaunen: Springboks, Monkeys, Kudus, Red Hartebeest (Kuhantilopen), Büffel, einen Fuchs, Warzen- und Wildschweinen, unzählige Vogelarten und sogar eine Schildkröte wanderte auf der Straße.
Auf dem Weg in den zweiten Teil des Parks sah ich dann drei Autos auf der Straße stehen. Immer ein sicheres Zeichen für ‚Es gibt was zu sehen!‘. Tatsächlich lagen zwei Löwen, vollkommen ungerührt von der Autoansammlung, drei Meter entfernt von der Straße im Gras. Leider sahen sie auch überhaupt keinen Anlass für Bewegung, so dass nur ihre beeindruckenden Köpfe aus dem Gras ragten. Dennoch Löwen, in freier Wildbahn, aus der Entfernung – Wahnsinn! Da machte es mir auch nichts aus, dass ich im Endeffekt bei der Tour durch den Park von den ‚big five‘ (Löwen, Elefanten, Büffel, Leoparden und Nashorn) ’nur‘ drei gesehen hab. Und auch, dass ich in einem ‚Elephant National Park‘ nur vier Elefanten zu Gesicht bekommen hab, war kein Problem.
Addo Elephant National Park5

Durchs Hochland ans Meer
Valley of Desolation im HochlandFür die nächsten paar Tage verabschiedete ich mich in Richtung Norden ins Hochland des Eastern Capes und in die Isolation. Wie oben beschrieben, traf ich auf den wunderbaren Fahrten durch die beeindruckende – weil so hatte ich mir Afrika gar nicht vorgestellt – und bergige Landschaft nur selten Autos. Das änderte sich auch nicht bei den Stopps in den Guesthouses. Sowohl in Graff Reinet als auch in Lady Grey war ich der einzige Gast im Haus eines alten Ehepaars bzw. in Lady Grey eines alten Witwers. Extrem freundliche Gastgeber waren dies. Es störte mich nicht besonders alleine rumzutingeln und es war eigentlich sogar angenehm nach den Menschenmengen in Asien. Dennoch war ich froh nach gut drei Tagen in Hogsback wieder andere Traveller anzutreffen.
On the Road again1  On the Road again2

Hogsback ist ein besonderer Ort. Mit seinen Bergen, Tälern und Wäldern erinnert er sehr an Kanada oder Teile Neuseelands. Es wird gesagt, dass J.R.R. Tolkien, der ursprünglich aus Südafrika stammte, hier öfter Urlaub machte und ohne Probleme kann man sich vorstellen wie Szenen aus seiner Herr der Ringe Reihe von dieser Landschaft inspiriert wurden. Von Hogsback ging es für mich zurück an die Küste.
Im Land der Hobbits1 - Hogsback   Im Land der Hobbits2 - Hogsback

Deutsche soweit das Auge reicht
Das ist kein Witz. In meinen fünf Tagen an der Küste auf dem Weg nach Durban hab ich mehr Deutsche getroffen, als in den ganzen gut drei Monaten meiner Reise zuvor. Es ist unglaublich. Meist sind sie sehr jung, machen direkt nach der Schule ein soziales Projekt in Südafrika und nutzen die freien Tage über die Feiertage für eine Reise von Johannesburg an der Küste entlang nach Cape Town oder andersherum. Allgemein sind sie nicht ganz mein Klientel, da sie meist auch mit einer anderen Einstellung als ich reisen, von daher beschränkt sich mein Kontakt mit ihnen oft nur auf das Wesentliche. Die Route von Jo’burg nach Cape Town ist aber die gängige Reiseroute für Südafrika und dementsprechend ist sie auch gut besucht. Im Gegensatz zu meine vorherigen Stopps musste ich in Port Alfred und in Cintsa die ein oder andere Nacht im Auto auf dem Campingplatz des Hostels verbringen, da die ‚Dorm‘-Betten schon alle vergeben waren. Aber in einem kleinen Hyundai auf dem Beifahrersitz ist es gar nicht so unbequem und: Es ist wesentlich billiger!

Home away from home - irgendjmd war schon da...Von Port Alfred ging es über einen kleinen Zwischenstopp in dem abgelegenen und touristenfreien Dörfchen Hamburg (!!) weiter entlang der Wildcoast nach Cintsa und Coffee Bay, wo ich jeweils zwei Nächte verbrachte. Wirklich beeindruckend wie ‚wild‘ die Wildcoast wirklich ist. Kilometer lange, einsame Strände, riesige Felsen und Klippen säumen die Küste. Dazu ist das Hinterland nicht besonders erschlossen. Es erinnert mich ein wenig an Teile der Küste Neuseelands, andere erinnert es eher an das Ende der Welt, wie ein Südafrikaner aus Pretoria mir erklärte. Kommt ja fast aufs selbe hinaus…
Von diesem Ende der Welt in Coffee Bay fuhr ich dann die letzte Etappe bis nach Durban und übergab meinen liebgewonnenden Hyundai nach gelungen 2594km  wieder dem Vermieter. Kurz zuvor hatte ich ihn allerdings einer gründlichen Wäsche von außen unterzogen, da er wirklich aussah, als wäre ich durch die reinste Wildernis gebrettert…
Wildcoast1   Wildcoast2

Wie geht’s weiter!?
In ein paar Tagen treffe ich nun hier in Durban Sarah für unseren Christmas Special Trip, der uns in zwei weitere National Parks führen wird. Bevor wir aber starten stehe Freitag endlich mal wieder – die Pause war lang genug – ein Cricket-Spiel an. Das erste der Kiwis in Südafrika, die das Land für gut sieben Wochen betouren werden und – mitgefangen, mitgehangen – das erste für Sarah überhaupt. Danach verlassen wir Durban dann in Richtung Hluhluwe, bevor es uns über Weihnachten in die Drakensberge verschlägt.
Ich freue mich dann mehr von diesem vielfältigen Land zu sehen und hoffe weiter in Land und Kultur eintauchen zu können. Ein wenig bezweifle ich aber, dass ich Afrika so richtig kennenlernen werde, da man sich natürlich immer wieder – auch wenn man mit einem Budget unterwegs ist – in dieser ‚Traveller’/Tourismus-Seifenblase bewegt. Denn beim Durchqueren der kleinen Dörfer auf dem Land, in den kein Weißer weit und breit zu sehen ist, kann man schon sehen, dass das Leben hier ein komplett anderes ist, als in anderen Teilen Südafrikas.
Auch kann man erkennen, dass Kriminalität ein großer Faktor im Land ist. Mich persönlich hat es noch nicht betroffen und ich fühlte mich bisher zu keinem Zeitpunkt unsicher, dennoch merkt man wie es die eigene Bewegungsfreiheit einschränkt. Dies ist ein großer Unterschied zu den Ländern, die ich zuvor bereist habe. Vor allem hier in Durban, das hinter Jo’burg mit zu einer der gefährlichsten Städte zählt, ist es zwar nicht sichtbar, aber irgendwie spürbar. Viele Häuser sind wie Festungen gesichert, zum Teil mit elektrisierten Stacheldraht, einige Stadtteile sollte man eher gar nicht betreten und nach Einbruch der Dunkelheit wird davon abgeraten überhaupt auf der Straße rumzulaufen. Ich weiß nicht wie übertrieben das ist, werde aber auch nicht das Gegenteil ausprobieren, um hinterher schlauer zu sein…

Nach dem Cricket am Freitag geht es glücklicherweise wieder in sicherere Gefilde und ich wünsche Euch schon mal schöne Weihnachten und einen guten Rutsch. Ich melde mich wahrscheinlich wieder aus Cape Town, vom großen Ereignis des New Years Test….

Wildcoast

Ein Gedanke zu „Von Blinkern, Scheibenwischern und dem Ende der Welt…

  1. susanne

    Super, da kann man wirklich nur neidisch werden! Viel Spaß weiterhin!
    And go Kiwis go! Spielen die etwa auch über Weihnachten und Neujahr?

    Antwort

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