Treppensteigen in Sri Lanka

Neben dem Cricket hatte meine Zeit in Sri Lanka auch noch zwei kulturelle bzw. landschaftliche Höhepunkte für mich im Gepäck. Allerdings kann man die Felsenfestung in Sigiriya und den heiligen Berg ‚Adam’s Peak‘ nur Stufe für Stufe erreichen. Für beide Sehenswürdigkeiten sind unzählige Treppen zurückzulegen. Nach fast drei Monaten ohne nennenswerten Sport, war der Muskelkater vorprogrammiert. Gelohnt hat es sich aber allemal.

Der Lion-Rock in SigiriyaThe lion rock
In der flachen Ebene um Sigiriya ragt auf einmal ein über 200m hoch Granitmonolith hervor. Ca. im Jahre 455 ließ König Kassapa aus Angst vor seinem Halbbruder, der in Indien versuchte eine Allianz gegen ihn zu organisieren, auf dem uneinnehmbar erscheinenden Felsen eine Festung errichten. Diese nannte er Simha Giri – der ‚Löwenberg‘ – und regierte von ihm aus trotz zum Teil erheblicher Opposition 18 Jahre lang große Teile des Landes. Doch die Metropole in Sigiriya bestand nicht nur aus dem Palast auf dem Plateau des Felsen, sondern um den Felsen herum erstreckten sich mehrere Zitadellen, Gärten und Befestigungsanlagen. So passiert man auf dem Weg zum Felsen die königlichen Lustgärten. Diese symmetrisch angelegte Parkanlage wurde durch raffiniert konstruierte, unterirdische Kanäle mit Wasser von der Spitze des Felsen versorgt.Wolkenmädchen
Am Ende der Gärten beginnt dann der Anstieg zum Plateau des Löwenberges. Auf ungefähr halben Weg passiert man Sri Lankas berühmteste Wandmalereien. Die sogenannten Wolkenmädchen sind in dramatischer Lage in die Felswand gezeichnet wurden. Ihre Bedeutung ist nicht ganz klar, doch vermutet man, dass sie Apsaras symbolisieren sollen, die in der südostasiatischen Kunst himmlische Gespielen der Götter darstellen und somit Sigiriya und den Löwenberg als himmlischen Palast erscheinen lassen sollen.
Über die Löwentreppe, die früher durch einen 14m höhen, steinernen Löwen, von dem nur noch die riesigen Pranken übrig geblieben sind, beschützt wurde, geht es dann auf das Plateau des Felsen. Von dort hat man einen traumhaften 360° Rundblick über die Ebene bis hin zum Hochland im Süden. Auf dem Plateau selber erheben sich leider nur noch Ruinen, doch ist das Ausmaß der einst prachtvollen Gebäude beeindruckend und man kann sich gut lebhaftes Treiben an diesem besonderen Ort vorstellen.
Beginn der Löwentreppe   Blick von den Palastruinen

Adam’s Peak – Ein Happening für alle Religionen
Von Dambulla in der Nähe von Sigiriya machte ichAdam's Peak mich am nächsten Tag auf zurück an den südwestlichen Rand des Hochlands. Hier erhebt sich mit 2243m einer der höchsten Berge Sri Lankas der sogenannte Adam’s Peak. Seinen Namen erhält der Berg von dem aus dem Paradies vertriebenen Adam, der auf dem Gipfel des Berges die Erde betreten haben soll. Dies glauben zumindest Muslime und Christen, die den Fußabdruck auf dem Gipfel Adam zu schreiben. Für Hindus ist dies allerdings der Abdruck des Gottes Shiva, der hier seine Spur hinterlassen haben soll. Daher nennen die Hindus den Berg auch Siva Noli Patha Malai – „Shivas Fußabdruck auf dem Berg“. Singhalesische Buddhisten nennen den Berg wiederum Sri Pada. Für sie stammt der heilige (Sri) Fußabdruck (Pada) von Buddha. Allerdings sollen hier auch ‚Normalsterbliche‘ wie Marco Polo und auch Alexander der Große vorbeigeschaut haben – wie man merkt, ist hier also einiges los gewesen. Doch die religiösen Bedeutungen sind der Hauptgrund dafür, dass der Adam’s Peak als wichtigstes Pilgerziel Sri Lankas gilt.
Die Pilgersaison beginnt mit dem ersten Vollmond im Dezember und endet im Mai. Vor allem an sogenannten ‚Poya‘-Tagen (Vollmondtagen) wälzen sich dann bis zu 30 000 Menschen den sieben Kilometer langen Anstieg hoch. Ihr Ziel ist eine 1,56m lange und 76cm breite Vertiefung auf dem Gipfel – der heilige Fußabdruck. Außerhalb der Pilgersaison ist der Fußabdruck allerdings nicht zugänglich.

Anfang des AnstiegsDa wir uns aber zur Zeit nicht in der Pilgersaison befinden (zum Glück), bestieg wir so gut wie alleine den Berg. Um den Sonnenaufgang auf dem Berg zu erleben, starteten Tim und ich im 1200m hochgelegenen Dalhousie morgens um 2:30. Über die Jahrtausende hinweg wurde der 7km lange Aufstieg fast komplett mit Treppen versehen. Nach ca drei/dreieinhalb Stunden Stufensteigen erreicht man dann den Gipfel und Das perfekte Dreieck auf der Rückseite des Bergswartet mit ca 30 weiteren Touristen in für Sri Lanka klirrender Kälte (endlich konnte ich mal alles anziehen, was ich so mit mir in meinem Rucksack rumschleppe) auf den Sonnenaufgang. Dieses Natur-Schauspiel ist dann auch ziemlich beeindruckend und entlohnt natürlich für die Strapazen des Aufstiegs. Langsam steigt die Sonne über dem noch wolkenbedeckten Hochland empor. Da der Berg sich wie ein Kegel aus der Umgebung erhebt ist vor allem auch das perfekte Dreieck, das die aufgehende Sonne als Schatten auf der Rückseite des Berges in die Wolken zeichnet, beeindruckend.
Wesentlich anstrengender als der Aufstieg ist allerdings der Abstieg, was vor allem an den Treppen liegt, denke ich. Doch nach einem herzhaften Frühstück und einer Menge nachgeholten Schlaf über den Tag hinweg, bleibt nur noch der Muskelkater in den Beinen übrig. Und das ist ja nicht das Schlechteste, dann weiß man wenigstens, dass man etwas getan hat….
Die Szenerie bei Ankunft auf dem Berg    Die auf dem Berg lebenden Mönche beobachten den Sonnenaufgang
Sonnenaufgang überm Adam's Peak
Nach diesen beiden Highlights zum Abschluss verabschiede ich mich jetzt aus Sri Lanka, das mir bei meinen zwei Stopps wirklich viel geboten hat, und das obwohl es mit Anradhapura oder Jaffna im hohen Norden noch jeden Menge weitere interessante Sachen zu sehen gibt, ganz zu schweigen von den sagenhaften Stränden, die ich eigentlich nur sporadisch besucht habe. Nun geht es über Dubai weiter nach Südafrika. Neben Cricket wird es wohl auch da jede Menge zu entdecken geben, ich bin gespannt…

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2 Gedanken zu „Treppensteigen in Sri Lanka

  1. Rosa

    Es wird der Tag kommen an dem barrierefreier Tourismus auch die abgelegendsten Gebiete erreicht und wie dann mit Fahrstuhl oder Treppenlift die Wunder dieser Erde nicht mehr besteigen sondern befahren. Bis dahin muss sich die Stufen wohl antun.

    Antwort
    1. mohei13 Autor

      Hey Rosa, ich hoffe du hast mich nicht falsch verstanden. Ich bin auf jeden Fall kein Befürworter berrierefreien Tourismus. Die Belohnung mit dem Ausblick von Adam’s Peak wird erst durch den körperlich anstrengenden Anstieg ein wahres Erlebnis…

      Antwort

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