A day at the cricket

Zwei Tage sind beim zweiten Test Match zwischen Sri Lanka und NZ bereits gespielt. NZ hat sich im P. Saravanamuttu Stadium in Colombo eine gute Ausgangsposition geschaffen. Hier ein Bericht wie ich den dritten Tag des Spiels verbringe. Ein mehr oder weniger typischer Tag beim Cricket!

Zwanzig Minuten brauche ich zu Fuß zum Stadion. Frühstück, bestehend aus Rotis und Bananen, sammle ich auf dem Weg in einem kleinen Kiosk ein. Am Eingang zum Stadion begrüßt mich der Security Guard lächelnd. Er kennt mich schon seit zwei Tagen und steht jeden Morgen wieder am selben Platz. Weder das Match in Galle noch das Spiel hier in Colombo kosteten übrigens Eintritt. Dies ist eine Strafmaßnahme des Internationalen Cricketverbands (ICC), da Sri Lankas Cricketverband vor sechs Monaten horrende Preis – fast 50$ pro Tag – von englischen Cricket Fans verlangten.

Also ohne Ticket und überraschender Weise auch ohne jegliche Security-Kontrolle geht es vorbei am ‚groundstaff‘ – so etwas wie den Platzwärten – und den Übertragungsteams des Fernsehens Richtung M. Sathasivam Pavillon. Sowohl der groundstaff als auch die Jungs vom Fernsehen begrüßen mich mit einem fröhlichen ‚good morning‘. Es sind nicht viele Leute beim Match und nach drei Tagen kennen sich mittlerweile alle. Es herrscht eine mehr als familiäre Stimmung und da nur eine Handvoll von ‚Weißen‘ vor Ort sind, ist man schnell bekannt.

Durch eine Tür mit der Aufschrift ‚Members and Guest only – Dress code: smart casual‘ betrete ich den M. Sathasivam Pavillon. Die beiden Neuseeländer Tim und Paul sind schon da und auch sie werden wie ich alle fünf Tage das Spiel verfolgen. Beide haben unabgesprochen die gleichen Klamotten an und sitzen am selben Platz wie die beiden Tage zu vor. Auch ich hab Shorts und T-Shirt nicht gewechselt und nehme zwischen ihnen – meinem Sitzplatz der letzten beiden Tage – platz. Ab und an spielt Aberglaube beim Cricket eine große Rolle. NZ hat die letzten beiden Tage überaus gut gespielt, damit sich das nicht ändert, wechselt man Kleidung und Platz besser nicht – duschen ist allerdings erlaubt… Wenn man merkt, dass das Spiel sich zu drehen beginnt oder es mit dem Glück abwärts geht, dann hört man auch mit den abergläubischen Sachen auf.

Einer der offiziellen Fotografen Mr Eranga sitz einen Meter vor uns direkt an der Bande, auch er begrüßt mich fröhlich. Am Tag zuvor berichtete er mir von seiner Arbeit bei den Olympischen Spielen in London. Er war als Fotograf für das Herren Hockey-Turnier eingeteilt und das deutsche Team hatte es ihm wohl besonders angetan. Die Namen der halbe Mannschaft kann er mir aufzählen. Ich erzähle ihm, dass das Team wie wild den Olympia Sieg gefeiert hat. Mit einem Augenzwinkern antwortet er, dass er sich das sehr gut vorstellen kann und bedauert nicht als Fotograf dabei gewesen zu sein.

Kurz vor dem Start der ersten Session kommen der Teammanager und der Coach der Black Caps vorbei. Mit einem ‚How are ya lads‘ werden wir begrüßte und Paul, der den Teammanager etwas näher kennt, hält einen kurzen Schnack mit ihm. Dann kommen die beiden ‚Umpires‘ (beim Cricket und auch in manchen anderen Sportarten der englische Begriff für Schiedsrichter) Nigel Llong und Marais Erasmus. Durch Paul wissen beide mittlerweile, dass eine verrückter Deutscher die Black Caps verfolgt. Der Südafrikaner Marais Erasmus begrüßt mich mit: ‚Morning German. Back again?‘ Ich antworte: ‚Yes Sir! The whole five days.‘ Er nickt nur und marschiert aufs Feld. Kurze Zeit später folgen die Spieler.

Die erste Session beginnt und Paul gibt eine Runde ‚morning-tea‘ aus. Neben uns sitz ein Sri Lanki und liest die Zeitung, wir diskutieren beim Tee über Cricket und weltweiten Sport im Allgemeinen und in 60 Meter Entfernung wird gepflegt Test Cricket gespielt. Was will man eigentlich mehr!?!
Langsam füllt sich der Pavillon mit Zuschauern – es werden nie mehr als ca. 50 sein und insgesamt sind im Stadion wohl nicht mehr als 600 Menschen. Hinter uns sitzen die Eltern von Daniel Flynn, einem Spieler der Black Caps und auch Sri Lankas weltweit bekannter und exzentrischer Edelfan Percy ist mittlerweile angekommen. Seit 1982 hat Sri Lanka Test-Status und Percy hat keines der Heimspiele seines Teams verpasst. Auch in Übersee hat er unzählige Spiel live gesehen. Der fitte 76-jährige kennt uns drei mittlerweile beim Namen, begrüßt uns aber nur mit einem trockenen ‚Morning New Zealand! Show your colours‘ und beginnt seine große Sri Lanka Fahne zu schwenken.
 

Während die erste Session im vollen Gange ist, kommt der mobile Kameramann das erste Mal vorbei, um – wie an den Tagen zuvor auch immer mal wieder- das erste mal ein ‚closeup‘ von den drei Kiwi-Fans zu schießen. Wir probieren uns so normal wie möglich zu benehmen, dem Spiel angespannt zu folgen und so zu tun, als sei die Kamera nicht da. Gar nicht so leicht! Kurze Zeit später bekommt Tim eine SMS von seiner Mutter. Es sei gerade eine Nahaufnahmen von ihm für einige Minuten in Neuseeland im Fernsehen gewesen und wieso er denn nicht seine Mütze aufhabe. Ich frage mich, ob den Fernsehzuschauern auffällt, dass wir seit drei Tagen die gleiche Kleidung tragen.
 

Es ist 12Uhr, die erste Session ist vorbei und ich hole Lunch. Vor dem Stadion kaufe ich den Roti-Vorrat eines Imbiss-TukTuks auf. Neun Rotis, drei für jeden plus Chilli-Paste. Ein grandioses Mittagessen für insgesamt 1,50€. Zum Start der zweiten Session plätschert das Spiel so vor sich hin. Paul nickt auf seinem Platz ein und auch ich hab zu kämpfen. Wenn das Spiel gerade nicht so ereignisreich ist, dann kann die Stunde nach Lunch sehr einschläfernd sein. Doch ich hab ein Gegenmittel. Chocolate Cookies bringen mich bisher gut über den toten Punkt.

Die Anzahl der Zuschauer hat mittlerweile ihren Höhepunkt erreicht, aber das Stadion ist immer noch nicht mal halbvoll. Wirklich erstaunlich, dass bei freien Eintritt relativ wenig Einheimische den Weg ins Stadion finden. Sri Lanka spielt heute gut und antwortet stark auf die zwei guten Tage der Kiwis. Morgen kann ich andere Sachen anziehen, denke ich.
Um drei Uhr ist die zweite Pause des Tages und die NZ-Spieler verlassen drei Meter von uns entfernt das Spielfeld. Wir applaudieren, schicken ein paar aufmunternde Worte rüber und hoffen insgeheim, dass die dritte und letzte Session des Tages besser wird.

Aber auf halben Weg wird die dritte Session unterbrochen! Dunkle Wolken sind aufgezogen, es hat angefangen zu tröpfeln und es ist zu dunkel geworden, um weiter zu spielen. Die Spieler können den Ball nicht mehr richtig sehen und es gibt kein Flutlicht. Auch wenn es Flutlicht geben würde, wäre nicht klar, ob dies genutzt werden könnte. Beide Teams müssten dem zustimmen und auch das Regelwerk der ICC hat da ein paar komplizierte Wendungen. Wie auch immer… das Spiel ist unterbrochen und wir fragen die Umpires, ob es heute noch weitergeht. Sie wissen es nicht genau, sollte es wieder heller werden, könnte weitergespielt werden. Nach einer halben Stunde warten, inklusive einer Anekdote von Percy und einem Schnack mit dem Fotografen vor uns, kommt Marais Erasmus vorbei und erklärt uns, dass das Spiel für heute abgebrochen wurde. Morgen geht es dafür etwas früher los, um 9:45Uhr. ‚Have a good night and I see you tomorrow‘, sagt er und verschwindet…

Ich hoffe der ganze normale Wahnsinn eines Cricket-Tages hier im P. Sara Stadium und die geradezu intime Stimmung währenddessen kommt ein wenig rüber. So ein bißchen wird man über die fünf Tage zu einer Familie und zu einem Teil des Test Matches. Ich denke nicht, dass es bei jedem Test so ist und gerade bei den großen Ländern des Sports wie England, Australien, Indien oder Südafrika doch eine andere, nicht so familiäre Atmosphäre bei einem Test Match herrscht. Aber in gut einem Monat hab ich ja beim traditionellen New-Years-Test in Kapstadt die Chance zum Vergleich.

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