Sprichwörter – Reisebericht Laos

In Asien gibt es ein Sprichwort, dass grob übersetzt so lautet: In Kambodscha pflanzen sie den Reis, in Vietnam verkaufen sie ihn und in Laos hören sie zu wie er wächst. Dieses Sprichwort spiegelt perfekt die Atmosphäre in Laos wieder. Einen Laoten zu stressen oder Hektik hier zu erleben – ein Ding der Unmöglichkeit! „Laos liebster Seelenzustand ist allergrößte Gelassenheit“ (3sat) – etwas was man schnell an Laos lieben lernt.

Der einzigartige Mekong
Nach fast einer Woche in den beiden großen Städten des Nordens Vientiane und Luan Prabang, schipperte ich per ’slow boat‘ weiter in den Norden Laos‘. Die Fahrt ist wirklich ein Highlight: Ganz gemächlich dümpelt man den Mekong flussaufwärts, vorbei an Wasserbüffeln, kleinen Dörfern, zum Teil riesigen Felsen und wunderbarer Landschaft. Mit nur drei ‚Falangs‘ und vielleicht zehn Einheimische ist das Boot relativ leer. Bei Travellern ist die Route in die entgegengesetzte Richtung beliebter: Von der Thai-Grenze betritt man in Huay Xai Laos und fährt dann Richtung Luan Prabang. Ich bewege mich in die andere Richtung. Beim Übernachtungsstopp in Pak Beng – es wird nicht so sein, aber es scheint als sei der Ort nur für dieses Übernachtungsstopps entstanden – treffen sich dann beide Boote. Dabei treffen relaxte Traveller, die Laos‘ Lebenseinstellung aufgesogen haben, auf feiererprobte Backpacker aus Thailand, die Laos‘ Seelenruhe noch kennenlernen müssen. Trotzdem oder gerade deshalb eine gute Mischung, die ein guten Abend/Nacht mit viel LaoLao-Wishkey ergibt.
Am nächsten morgen geht es mit überfallartig einsetzenden Kopfschmerzen weiter den Mekong flussaufwärts. Eine tolle Fahrt und wesentlich entspannter als ein zehn Stunden Bustrip.
 

Training für den Monte Ventoux
Am nächsten Tag ging es von der Grenzstadt Huay Xai durch die grüne Hölle (unglaublich wie grün Laos ist) weiter nach Luang Namtha und zum Nam-Ha Nationalpark. Dort ging ich ins Trainingslager für meine bevorstehenden Radtouren die mich auf den Mont Ventoux und den Col de Galibier führen werden. Also Christoph sei gewarnt, ich bin im Training…
Nein, aber die Mountainbike-Tour im Nam-Ha war doch wesentlich intensiver als gedacht. Mit unserem Führer Mr Noy ging es eine zum Teil extrem steile Schotterpiste rauf und das über drei Stunden. Als wir Mr Noy – der übrigens gekonnt mit Anzugschuhen und langer Hose auf dem Mountainbike saß – am ersten Anstieg um fast fünf Minuten abhängten, dachte ich, dass das ein langer Tag werden könnte. Aber er muss kurz gehalten haben, um sich eine Art EPO oder sonst was gespritzt zu haben, denn danach war er nur noch vorne im Feld zu finden und strampelte wie Richard Virenque in seinen besten Tagen die Berge hoch. Für unseren Lunch wurden wir freundlich von einem der Bergvölker – den Akha, die vor über 300 Jahren aus China eingewandert sind – aufgenommen und kamen in der Hütte des zweiten Häuptlings unter. Es ist Wahnsinn, wie weit dieses Dorf von unserer Zivilisation entfernt ist. Klar würden wir sie als überaus arm bezeichnen, aber diese Menschen empfinden das nicht so, sie sind glücklich – auch weil sie nichts anderes kennen – mit dem was sie haben. Es herrschte eine fröhliche Stimmung und ein großes Interesse an den drei ungewöhnlichen Besuchern. Nach einem überragenden Essen mit Bambus, Lao salad und natürlich sticky rice – einer Art Klebreis die es in Laos zu Allem gibt – ging es dann wieder bergabwärts zurück ins Tal. Muskelkater am nächsten Tag inklusive.
 

Muang Noi Neua – Eine Oase
Wie man wahrscheinlich rauslesen kann, gefällt mir Laos und seine spezielle Atmosphäre überaus gut. Dennoch muss man festhalten, dass vor allem im Norden die Infrastruktur und die Transportmittel überaus schlecht sind. Zweimal blieb ich in einer Stadt stecken, weil kein weitere Bus fuhr, doch der Trip von Udomxai nach Nong Khiaw war das Highlight. Statt um 9Uhr fuhr der Bus um 12Uhr ab und brauchte dann für die etwas mehr als 100km an die acht Stunden, weil unser Busfahrer kurz vor dem Ziel entschied, noch mal umzudrehen, da er im vorherigen Dorf (mehr als eine Stunde entfernt) irgendein Päckchen vergessen hat. Dann – eingezwängt in einem überfüllten Minibus mit sich in Plastiktüten übergebenden Kindern – nicht auszurasten ist schwer, aber am besten man atmet tief durch und lächelt. Irgendwann kommt man schon an. Und wenn man dann so Orte wie Mang Noi Neua erreicht, vergisst man alles schnell wieder.

Dieses Dorf kann von Nong Khiaw nur per Boot erreicht werden, hat nur drei Stunden am Tag Elektrizität und man wohnt in Bungalows mit privater Hängematte dirket am Fluss Nam Ou. Es ist überaus ruhig, es gibt keine Motorräder und alles geht seinen eigenen langsamen Gang. Was für ein entspannter Ort! Eine wahre Oase, von der man Wanderungen in die landschaftlich überragende Umgebung unternehmen kann. Mit dem Spanier Simon, der Costa Ricanerin Natalia und dem lebhaften Italiener Fabricio hatte ich dort eine wunderbare Zeit. Wie sagt man so schön unter Travellern: You travel alone, but  you’re never alone! Wie schnell man Gleichgesinnte trifft und dass es dann meist auf Anhieb passt, ist schon überaus erstaunlich.
 

Von Muang Noi Neu ging es für mich auf einer Nussschale sechs Stunden weiter den Nam Ou flussaufwärts Richtung vietnamesischer Grenze. Ich bin mehr als gespannt, inwieweit sich mit dem Schritt über die Grenze die Mentalität der Menschen wandelt.

Doch Laos hat mir überaus gut gefallen und ich werde bestimmt einmal zurückkehren um den Süden zu erkunden, von dem man problemlos nach Kambodscha einreisen kann. Laos als Reiseland kann ich nur empfehlen, da es so viele unterschiedliche Interessen abdecken kann.
Aber jetzt erstmal: Sabai-dea Laos! Good Morning Vietnam!

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3 Gedanken zu „Sprichwörter – Reisebericht Laos

  1. Janka

    Freut mich sehr, dass Dir Laos gefallen hat! Der Bericht klingt toll, muss ich unbedingt auch noch hinkriegen, in den Norden zu kommen.

    Antwort

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