King Louie und zwei Reifen – Reisebericht Kambodscha

Naja, es ist wohl nicht ganz richtig diesen Artikel ‚Reisebericht Kambodscha‘ zu nennen, da ich aus Bangkok nur einen kleinen Abstecher nach Siem Reap und den dort befindlichen Tempelanlagen von Angkor gemacht habe. Daher hab ich von Kambodscha nur wenig gesehen, aber die Reise hat sich mehr als gelohnt.

Nach ein paar lustigen Tagen in Bangkok mit überragenden Essen, (endlich) Nachtleben und einem Besuch beim Thai-Boxen, bei dem ich in einer Horde wild wettender Thais die Kämpfe verfolgte, machte ich mich per Zug und später Bus auf nach Kambodscha. Die Visa-Angelegehnheiten und Grenzüberquerung in Poipet verliefen ohne Probleme. Siem Reap, das ungefähr 6km von Angkor entfernt liegt, ist mittlerweile eine vom Tourismus geprägte Stadt mit einer eigene Pub Street, vielen Restaurants und mittlerweile auch einigen Luxus-Unterkünften. Aber auch für Backpacker ist Siem Reap vor allem wegen der Tempel in Angkor ein beliebtes Ziel. So fand auch ich eine ganz gut Absteige für 4$ pro Nacht, die meinen Ansprüchen vollkommen genügte.

Mir war nicht ganz bewusst was mich in Angkor erwarten würde, ich hatte nur unterwegs und auch schon in Hamburg von einigen Leute gehört, dass es faszinierend sein soll. Und faszinierend war es allemal. Was die Könige der Khmer hier im 10. und 11. Jahrhundert für Anlagen errichten ließen (hier ein Lageplan), wird nicht zu unrecht mittlerweile als das achte Weltwunder bezeichnet.
Mit dem Fahrrad als perfekter Begleiter – kostengünstig, unabhängig und schnell Kontakt mit den Menschen an der Straße – macht ich mich an drei aufeinanderfolgenden Tagen auf nach Angkor und Umgebung.

Am ersten Tag guckte ich mir ein paar Komplexe an, die etwas außerhalb von den Highlights Angkor Wat und Angkor Thom liegen. U.a. Preah Khan und den Ta Som. Diese Gebäude waren zum Teil etwas verfallen und der Dschungel hatte sie schon länger wieder in Besitz genommen. Wie King Louie im Dschungelbuch kann man kreuz und quer durch die Ruinen schwingen (naja, eher klettern) und dabei ganz fein in den Sandstein gemeißelte Abbildungen bewundern. Die Reliefs und Figuren sind meist an hinduistische und buddhistische  Gottheiten angelegt oder stellen religiöse Überlieferungen dar. Während die hinduistischen Werke relativ gut erhalten sind, wurde unter Pol Potts Khmer-Regime von den Buddha-Abbildungen allerdings oft der Kopf abgeschlagen und gegen Waffen und Geld getauscht.

Das Highlight des zweiten Tages war sicherlich der Ta Prom, und zwar nicht wegen seiner fein gearbeiteten Reliefs oder der Architektur sondern wegen seiner Verschmelzung mit dem Dschungel. Riesige Bäume vereinigen sich mit den Mauern des Tempel-Komplex zu imposanten Bilder.

   

Doch der dritte Tag stellte alles in den Schatten. Früh morgens beobachtete ich den Sonnenaufgang über dem größten und besterhaltesten Tempel Angkor Wat. Dieses Schauspiel werde ich so schnell wohl nicht vergessen und ist auch nur schwer in Worte zu fassen. Eine ganz eigene Stimmung entwickelt sich, bevor die Sonne dann langsam zwischen den Türmen des Tempels emporsteigt. Wirklich sehr mystisch.

Direkt nach Sonnenaufgang besichtigte ich dann den eigentlich Tempel, der sehr gut erhalten und mit seinen imposanten Türmen sehr beeindruckend ist. Es ist ein guter Tipp so früh durch die Anlage zu laufen, da dann die Menschenmassen noch nicht da sind und man eher wenigen Leuten begegnet. Danach besichtigte ich noch Angkor Thom (Die große Stadt), die ich an den vorherigen Tagen schon mehrmals durchfahren war. Zur Blütezeit lebten bis zu einer Millionen Menschen in dem 10km²-Komplex und man kann sich gut vorstellen wie die Gebäude des Baphoun und Bayon das prunkvolle Reich der Khmer symbolisierten. Gerade der Bayon mit seinen (ehemals) 54 Türmen mit jeweils vier lächelnden Gesichtern (die übrigens sehr dem damals herrschenden und legendären König Jayavarman VII. ähneln sollen) ist auch sehr beeindruckend. Aus jedem Winkel blicken die Gesichter herab und strahlen Erhabenheit, Macht, aber auch eine angenehm, freundliche Menschlichkeit aus. Doch am besten ihr macht euch selber ein Bild durch die Fotos oder viel besser ihr besucht selber Angkor Wat. Ich kann es nur empfehlen!!

P.S.: Zwei Anmerkungen noch:

1) Während meiner Zeit in Kambodscha starb der frühere König Norodom Sihanouk am 15.10. Das ganze Land war in größer Trauer, was man auch deutlich in Siem Real und Umgebung feststellen konnte.

2) Allgemein ist Kambodscha glaube ich ein sehr spannendes Land, dass ich gerne noch mal ausführlicher bereisen würde. Die Strände im Süden um Sihanoukville, die Hauptstadt Pnohm Pen und auch der Norden sollen überaus schön und spannend sein. Das Land öffnet sich nach dem Ende der Schreckens-Herrschaft der Roten Khmer und Beendigung des Bürgerkrieges 1991 (die letzten Bastionen der Roten Khmer fielen allerdings erst 1998) immer schneller dem Tourismus, so dass man Kambodscha lieber früher als später besuchen sollte um seine Ursprünglichkeit noch zu erleben. Ich hab mich allerdings entschieden Laos und vielleicht noch einen Teil von Vietnam zu bereisen. Dafür habe ich mir einiges vorgenommen. Mal sehen, ob ich das in den mir verbleibenden vier Wochen schaffe. Um mehr Zeit zu haben, habe ich schon einige Cricket-Spiele in Sri Lanka gestrichen, doch keine Angst, am 17.11 möchte ich auf jeden Fall in Galle sein um das erste Test-Match zwischen Sri Lanka und NZ zu sehen….

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3 Gedanken zu „King Louie und zwei Reifen – Reisebericht Kambodscha

  1. susanne

    „Angkor ist größer als alles, was uns von Griechen und Römern erhalten geblieben ist…“
    Alexandre Henry Mouhot (1826-1861), Wiederentdecker Angkors.

    Antwort
  2. vanessa

    ich habe mal gelesen, dass die kambodschianer den reis pflanzen, die laoten ihm bei wachsen zuhören und die vietnamesen ihn verkaufen… die bilder von vientiane und angkor wat sind atemberaubend!

    Antwort

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