Kandy – Frische in den Bergen

Nach fast zwei Wochen in der drückende Hitze an Indiens Südküste, waren die zehn Tage in den Hügeln von Kandy klimatisch gesehen ein wahre Erholung. Aber auch so hat Sri Lankas letzte Königstadt einiges zu bieten. Hier ein Bericht.

In der dritten Klasse eines Bummel-Zuges fühlt man sich zwar wie in einer Sardinendose, alles steht eng an eng, aber dafür ist die Aussicht grandios. Den Engländern sei Dank, windet sich die Eisenbahn sehr imposant von Colombo hoch Richtung Hochland von Sri Lanka. Früher wurde sie genutzt um frisch verarbeitet Tee zum Hafen nach Colombo zu bringen, um ihn dann in alle Welt (und vor allem nach GB) zu verschiffen. Jetzt transportiert sie unzählige Menschen – wirklich unzählige, es lag vielleicht auch an der Tageszeit, aber dieser Zug war unglaublich voll – täglich von der Küste zur drittgrößten Stadt ins Herz der Insel. Für die gut 120km braucht der Bummel-Zug allerdings fast vier Stunden, aber mich stört es nicht weiter, ich habe keinen Zeitdruck und kann für die letzte Stunde sogar einen Sitzplatz ergattern. Der Blick aus dem Fenster entschädigt sowieso für alles: Weit erstreckt sich das Panorama des Hochlandes.

Der Zahntempel direkt am See
Hier in den Hügeln ist das Klima mit mitten 20° mehr als angenehm und ein leichter Wind dient als Erfrischung. Meine Unterkunft lag in den Hügeln südlich des Kandy Lakes. Diesen See ließ der letzte König von Sri Lanka 1810 anstelle von Reisfeldern in seiner Königstadt anlegen und nutzte ihn auch gleichzeitig dazu unloyale Aristokraten im See zu versenken. Ein Spaziergang entlang der schönen Promenade gehört aber sicherlich zu den Highlights des Besuches.
Genauso wie der Besuch des Sri Dalada Maligawa – Tempel des heiligen Zahns – dazugehört. Am dritten Tag machte ich mich auf Tipp meines Vermieters kurz vor dem Start der Dämmerung auf dem Weg zum Tempelkomplex. Denn kurz nach Sonnenuntergang beginnt jeden Tag ein einstündige ‚Puja‘ in der die Mönche begleitet von Musik durch Trommeln und flotenartigen Instrumenten feierlich in den heiligen Schrein ziehen. Die Musik zusammen mit dem Licht der Dämmerung verleiht dem ganzen Ort eine sehr erhabene Atmosphäre. Der Überlieferung nach bewahrt der Schrein einen Eckzahn von Buddha auf. Die Reliquie soll nach dem Tod des Erleuchteten im Jahre 80 angesichts eines drohenden Kriegs im Jahre 310 aus Indien auf die Insel gelangt sein, um hier sicher verwahrt zu werden.

 

Botanik und Tee im Übermaß
Es war ganz angenehm, dass der Cricket-Spielplan meine Tage in Kandy klar strukturierte. Da ich jeden zweiten Tag stumpf ins Stadion pilgerte, war ich an den spielfreien Tage motiviert und erholt mich mit der Stadt und ihrer Umgebung zu beschäftigen.
So besuchte ich einen Tag den etwas außerhalb gelegenen botanischen Garten. Diese riesige Parkanlage beheimatet unzählige verschiedene Pflanzen von Orchideen, über unglaubliche viele verschiedene Palmenarten bis hin zu einem Mahagonibraun. Ich fand es sehr angenehm durch den Park zu wandern und ein wenig im Gras auf den großen Grünflächen zu dösen. Allerdings überzeugte mich der Park jetzt nicht so sehr, dass ich nachvollziehen könnte, wieso Einheimische nur 50 Rupies (ca 30 Cent) und Ausländer 1000 Rupies (fast sieben Euro) bezahlen müssen. Würden sie das zehnfache des einheimischen Preises fordern hätte ich das ja vielleicht noch verstanden, aber das zwanzigfache?!? Übertrieben!
An einem anderen meiner freien Tage machte ich mich auf ins wirkliche Hochland, zur höchstgelegenen Stadt Sri Lankas Nuwara Eliya. Ich wollte unbedingt per Zug in die Berge fahren, da die Strecke äußerst schön sein sollte. Problem war nur: Ungefähr sechs Stunden braucht der Zug um sich die steilen 100km hochzuquälen. Das störte mich eigentlich nicht weiter, um aber zeitig in Nuwara Eliya zu sein, musste ich in Kandy um 3:30 morgens abfahren.
Doch wiedermal hielt die Fahrt was sie versprach. Mit verschlafenen Pendler, die auf dem Weg zu ihren Teefabriken waren, fliegenden Händler, die in einer Art Sing-Sang ihre Wahren anpriesen, und interessierten Rentner, die mich alles mögliche fragten, tuckerte ich im Morgengrauen durch unzählige Teefelder. Ein wirkliches Erlebnis.

  

In der sehr britisch angehauchten Stadt Nuwara Eliya gab es dann groß Gutshäuser der ehemaligen Kolonialherren, ein penibel angelegten Britischen Garten und eine riesige Pferderennbahn, die das Herz der Stadt bildet,  zu bestaunen. Etwas außerhalb konnte man durch Teefelder einen Hügel hinaufwandern, um einen schönen Ausblick zu genießen. Doch überzeugte mich die Stadt ansich nun nicht so sehr, es war die Anfahrt, die das Highlight war. Zurück nach Kandy nahm ich dann aber trotzdem den Bus, der nur gut zwei Stunden braucht.

  

Tee, Papayas und Curry
Besucht man Kandy einfach so, sind zehn Tage sicherlich zu lang, denn so viel hat die kleine Stadt dann doch nicht zu bieten, außer man macht ausgedehnte Touren und Wanderungen im Umland (z.B. in den Knuckles). Doch für mich war der Zeitraum kombiniert mit dem Cricket perfekt. Es war angenehm längere Zeit an einem Ort zu sein, denn so konnte ich meine eigene Infrastruktur aufbauen. So hatte ich meinen Teestand an der Straße, an dem ich morgens meinen ‚milk-tea‘ trinken konnte, meine beiden Händler auf dem Markt, die mir immer freudig Papayas, Avocados und Tomaten verkauften – wahrscheinlich zockten sie mir immer noch mehr als den Einheimischen ab, aber es war trotzdem spottbillig – und ich fand ein kleines Eck-Restaurant ohne Touristen, das mich vorzüglich mit Rice & Curry versorgte. Nur das Nachtleben enttäuschte etwas, denn selbst der englische Pub schloss um 23Uhr seine Pforten und danach war die Stadt auch wie ausgestorben. Das muss sich auf meinen weiteren Stationen bessern….

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2 Gedanken zu „Kandy – Frische in den Bergen

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