Lehrer oder doch Tuk-Tuk-Fahrer?

Wie komm ich in einer indischen Großstadt am besten von A nach B? Laufen? 500m, ok! Aber sonst? Fast unmöglich. Öffentliche Verkehrsmittel? Hätte ich ja gern genommen, wenn doch klar wäre wo und wohin sie fahren.

In Chennai springen die meisten Einheimischen an einer Ampel oder beim leichten Anfahren schnell auf einen vollkomm überfüllten Bus auf, nur um dann an einer gewünschten Ecke wieder runterzuhüpfen. Diese sportliche Übung hätte ich mir ja noch zu getraut, doch woher sollte ich ohne Ortskenntnis wissen wann ich wieder abspringen muss, um zu meinem Ziel zu kommen? Selbst mein Hotelbesitzer fasste sich bei der Frage nach den ÖV an den Kopf. Nein, nein, die Autorikscha sollte ich nehmen.

Also doch, ganz klassisch das Tuk-Tuk. Durch die ganze Stadt knattern diese Dreiräder, kreuz und quer, quetschen sich überall durch und hupen auch wenn es nichts mehr zu hupen gibt. Die Fahrweise ist schon abenteuerlich, doch Angst um mein Leben, so wie es in meinem Führer (zwar etwas augenzwinkernd) beschrieben wird, hatte ich dabei noch nicht. Dass bei einer Fahrt aber mal das Taxameter eingeschaltet wird, gleicht wohl eher einem Wunder. Vor jedem Trip wird schön ein Festpreis ausgehandelt, wobei ich an meinen Verhandlungskünsten glaube ich noch pfeilen kann. Wahrscheinlich zahlt man als ‚english-man‘ sowieso Unsummen, über die Einheimische nur den Kopf schütteln würden. Doch kostet eine Fahrt meist nie mehr als 80-100 Rupie – ein bisschen mehr als ein Euro.

Auf einer meiner letzten Fahrten erwischte ich einen Fahrer mit exzellenten Englischkenntnissen. Nach ein wenig Small-Talk stellte sich heraus, dass Rama – so hieß der gute Mann – ursprünglich aus Sri Lanka kommt und dort Englischlehrer an einer staatlichen Schule war. Vor über 20 Jahren kam er – angeblich wegen einer Frau – nach Chennai. Ein wenig trauere er dem ‚bezaubernden‘ Sri Lanka hinterher, könne sich aber allgemein nicht beklagen. So verdient er doch mit fast 600 Rupie am Tag (fast zehn Euro) das Dreifache, von dem was er damals als Lehrer in Sri Lanka verdient habe. Ob er mir das alles nur erzählte, um ein ordentliches Trinkgeld abzustauben, weiß man natürlich nicht. Aber wenigsten wollte er mir nicht noch irgendeinen ‚wunderbaren‘ Shop mit ‚gerade zu herausragenden‘ Souvenirs eines entfernten Bruders zeigen…

 

 

 

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